14. Integrationsforum: "Arbeit ist Menschenrecht?!"

Corona-bedingt hieß es bei der Planung des 14. Integrationsforums: „Aller guten Dinge sind drei.“ Nach der Absage des ursprünglichen Termins am 19. März aufgrund der drastischen Anfänge der Pandemie-Lage sowie einer abermaligen Verschiebung des Ersatztermins nach hinten, konnte die Veranstaltung mit dem Titel Arbeit ist Menschenrecht?! dann endlich am 9. Juli stattfinden.

Zur Sicherheit und Gesundheit unserer Netzwerkpartner*innen mit weiten Abständen im Stuhlkreis, Hygienekonzept sowie etwas verschlankt mit nur zwei der ursprünglich vier geplanten Thementische. Persönlich begrüßt von Geretsrieds zweiter Bürgermeisterin Sonja Frank, standen für das Handwerk Frau Braunholz und Herr Gebhard von der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie Frau Bogner als Friseurobermeisterin und Vertreterin der hiesigen Kreishandwerkerschaft Rede und Antwort. Darüber hinaus kümmerten sich Dr. Höhn von der Arbeitsagentur sowie Herr Wolter und Herr Klingseisen vom Jobcenter um alle Fragen bezüglich Qualifizierung und Förderinstrumente.

Im Dialog über die Möglichkeiten von Arbeitsmarktintegration speziell im Bereich Handwerk wurde von Seiten der anwesenden Netzwerkpartner*innen, deren Berufsfelder alle stark mit dem Thema des Abends verknüpft sind, der Wunsch nach mehr „Werbung“ der Kammern und der ihnen zugehörigen Betriebe geäußert. Die Vorteile der dort angesiedelten Ausbildungsberufe sollen mehr zur Geltung gebracht werden.

Die Vertreter*innen der Kammern stellten klar, dass dies schon geschehe. Außerdem betonten sie, dass momentan viele Migrant*innen das „schnelle Geld“ in der Anstellung als ungelernte Kraft (z.B. in der Zustellbranche) den langfristigen Erfolgsaussichten einer abgeschlossenen Berufsausbildung vorzögen. Die Konfliktsituation um eine auf die kurze Frist höhere Entlohnung führe sogar bisweilen dazu, dass vermehrt Ausbildungen abgebrochen werden.

Die Teilnehmer*innen zeigten großes Einverständnis, dass durch bessere Vernetzung aller Seiten zum einen das bestehende Beratungsangebot besser und mehr genutzt werden kann und, zum anderen, effektivere Mediation geleistet werden kann, um vorzeitige Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Ein weiteres großes Thema des 14. Integrationsforums war, dass viele Auszubildende mit Flucht- oder Migrationshintergrund scheinbar aufgrund nicht ausreichender Deutschkenntnisse sowie gegebenenfalls kultureller Barrieren das bestehende Prüfungssystem nicht erfolgreich bewältigen können. Viele der Anwesenden stellten an diesem Punkt die Frage „Wie bringen wir junge Leute zur Ausbildungsfähigkeit im Allgemeinen?“

Hier berichteten die Vertreter von Jobcenter und Arbeitsagentur von der Einstiegs-Qualifizierung. Diese sei ein „gutes Mittel“. Junge Menschen und Betrieb können sich in diesem Programm ein Jahr lang kennenlernen. Vorteil für die Unternehmen: Die Jugendlichen werden fit gemacht für die Ausbildung. Vorteil der teilnehmenden Jugendlichen: Anschließend besteht die Chance in ein reguläres Ausbildungsverhältnis übernommen zu werden und gegebenenfalls das erste Jahr angerechnet zu bekommen.

Über den gesamten Austausch hinweg fiel öfter der Einwand, dass für wirkliche positive Veränderung auch auf Seiten des Systems der Arbeitsmarktintegration in Deutschland alte Muster zu überdenken sind. Beide Seiten sollen ohne Vorbehalte aufeinander zugehen können und so Wege finden, die Ausbildung an sich wieder attraktiver und erfolgreicher zu gestalten. Denn damit ist am Ende der Gesellschaft am meisten geholfen.

Als immens wichtig hierfür hielt man fest, dass insbesondere Reflexion der eigenen Prägungen und Vorurteile, Offenheit sowie Änderungsbereitschaft auf Seite der Mehrheitsgesellschaft hilfreich wären.

Insgesamt wurde der Austausch als sehr gewinnbringend empfunden. Am Ende wurde der Wunsch geäußert, eventuell eine Art Mini-Messe mit Akteuren rund um das Thema Ausbildung / Arbeit und Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund zu organisieren, damit sich die wichtigen und richtigen Akteure kennenlernen und vernetzen können.

Der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit Geretsried e.V. bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden und Mitwirkenden!

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