Mayors for Peace - Schülergespräch über Rassismus

Mayors for Peace – Bürgermeister*innen für den Frieden. Im Jahr 1982 auf Anstoß des damaligen Bürgermeisters von Hiroshima gegründet, gehören dem Verband heute fast 8000 Mitgliedsstädte aus 164 Ländern, darunter auch Geretsried, an. Ziel des Bündnisses ist die Friedensarbeit. Dieses Jahr lag der Fokus auf gesellschaftlichem Frieden: Wegen der aktuellen globalen black lives matter Bewegung nahmen sich unsere Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank und die Klasse 9c der Realschule Geretsried Zeit, um sich dem Thema Rassismus zu widmen.

Zusammen mit Integration aktiv war die Bürgermeisterin „live“ per Videokonferenz in den Klassenraum geschaltet. Die Schüler*innen hatten die Tage zuvor von der Koordinationsstelle entwickeltes Unterrichtsmaterial über Rassismus erarbeitet, wie die Lehrerin Sigrid Roik-Heindl zu Beginn des Gesprächs berichtete.

Sie waren erschrocken von der Zahl der beinahe 8000 Straftaten mit rassistischem Hintergrund im Jahr 2019 in Deutschland (laut Bundesministerium des Inneren). Zugleich waren sie sich der aktuellen Ereignisse um den Mord an George Floyd sowie den dadurch entfachten Demonstrationen und Diskussionen um den Rassismus in der westlichen Welt bewusst.

Da es in Politik und Wissenschaft keine einheitliche Definition von Rassismus gibt, ist es wichtig zu verstehen, wie Rassismus entsteht. Bürgermeisterin Frank fühlte bei den Lernenden vor, wie sie denn zu der Thematik stünden und ob sie selbst schon einmal Rassismus in ihrem Alltag begegnet wären. Sie konnten die Dynamik hinter dem Konstrukt Rassismus, nämlich die Unterscheidung zwischen den Gruppen „zugehörig“ und „nicht zugehörig“, nachvollziehen und führten weiter mit eigenen Erfahrungen aus, dass für Ablehnung und Abwertung neben der Hautfarbe leider auch noch viele andere Aspekte ausschlaggebend sein können.

Hat Ablehnung etwas mit mangelnder Toleranz oder mangelnder Akzeptanz zu tun? Diese Kernfrage beantwortete eine Schülerin, die selbst als Fünfjährige aus Rumänien nach Deutschland kam, sehr treffend: „Toleranz hat für mich etwas damit zu tun, dass man etwas hinnimmt, aber es eigentlich nicht mag. Vielleicht ist Akzeptanz besser – man nimmt den anderen so an, wie er ist, auch wenn er sich von einem selbst unterscheidet.“

Es wurde von Schülerseite betont, wie wichtig es sei, Vorurteile zu beseitigen. Dafür seien Offenheit und Gespräche erfolgversprechende Mittel, was Sonja Frank mit eigenen Erfahrungen bekräftigen konnte. Sie erzählte von einer Gruppe afghanischer Asylbewerber, die vor acht Jahren in eine Wohngemeinschaft nach Geretsried zog. Sie wollte ihnen einerseits sofort und direkt beim Ankommen und der Integration in unserer Stadt helfen, war sich andererseits aber anfänglich unsicher, wie sie ihnen begegnen sollte. Dieses Gefühl wich quasi mit dem ersten Kontakt, da die Jungen sie an ihre eigenen Söhne erinnerten. Die Bürgermeisterin unterstrich, dass es sich lohne, sich der Angst vor dem Unbekannten zu stellen und sie zu überwinden. Denn so wird nicht nur der eigene Horizont erweitert, sondern es besteht die Chance auf neue Freundschaften.

„Jeder Mensch verdient Respekt.“

Ein riesengroßes Dankeschön geht an die Realschule Geretsried, Frau Roik-Heindl, die 9c und im Besonderen an die stellvertretende Schulleiterin Christine Venus-Michel, ohne deren Kooperation Mayors for Peace in diesem Jahr nicht zustande gekommen wäre! Darüber hinaus bedankt sich Integration aktiv herzlich bei der Zweiten Bürgermeisterin für das Mitwirken sowie beim Bürgermeister-Vorzimmer für die Geduld und Unterstützung bei der in Zeiten von Corona schwierigen Planung!

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