O'gricht is: Ungarndeutsche Tradition zum Probieren!

14. September 2019 - Kloster Beuerberg

Um kurz nach 12 stand der Kessel über dem Feuer und das Gulasch fing an zu köcheln. Ein vierköpfiges Team von Köchen aus Pusztavám kümmerte sich – im wahrsten Sinne des Wortes – rührend um die geduldige Zubereitung der Köstlichkeit.

Pusztavám. Das ist der Ort, von dem im Winter 1944 ein Tross aus 73 Personen und 31 Pferdegespannen aus horrender Angst vor der herannahenden Kriegsfront loszogen. Die Deutschen aus Ungarn standen, wie einst ihre Vorfahren, vor der Herausforderung, eine neue Heimat zu finden.

Am 7. Januar kamen sie in Beuerberg an, auch dank zweimaliger Überzeugungsarbeit zur Weiterfahrt mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten. Dort wirkten sie zumeist in der Landwirtschaft mit, ihre traditionell fundierten Kenntnisse machten sie zu fähigen Mitarbeitern. In den folgenden Jahren zogen nach und nach viele der Deutschen aus Ungarn weiter nach Geretsried und waren mittendrin zu finden in der wirtschaftlichen und kulturellen Prägung der Stadt nach Kriegsende.

Und das ist die Verbindung, aus der auf Initiative von Integration aktiv die Kooperation mit dem Diözesanmuseum Freising und der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und somit der Aktionstag entstanden ist.

Das Museum richtet im Kloster Beuerberg die Ausstellung HEIMAT – Gesucht. Geliebt. Verloren. aus. Das sind zum einen die Schlagworte für viele Herausforderungen rund um das Thema Integration, und zum anderen ist es auch ein passender Titel für die Geschichte der Deutschen aus Ungarn.

Wie erwähnt, hat die Kulinarik bei dieser Geschichte eine besondere Rolle inne und so wurde die Veranstaltung in die Rubrik Heimatküche des Begleitprogramms der Ausstellung eingeordnet:

Um 14:30 Uhr kamen die ersten Gäste in den Genuss einer speziellen Führung von Kurator Steffen Mensch zum Thema Küche & Essen. Effektvoll untermalt von vorgelesen Zeitzeugenberichten, skizzierte er Speiseplan und -routine im Kloster sowie die wichtige Rolle der Heimatvertriebenen für unsere heutige deutsche Küche. So brachten beispielsweise die Ungarndeutschen Paprika, Tomaten, Knoblauch und Mohn mit sowie die Expertise diese auch in der neuen Heimat anzubauen.

Wer zu diesem Zeitpunkt von den immer köstlicheren Düften, die von der Feuerstelle im Innenhof ausgingen, noch keinen angeregten Appetit verspürte, verschaffte sich spätestens beim anschließenden Tanz-Workshop den nötigen Platz im Magen. Um 16:00 Uhr animierten die Trachtengruppe der Ungarndeutschen und der Trachtenverein aus Eurasburg mit gefälligen Einlagen die zahlreichen Zuschauer dazu, im Anschluss unter der Anleitung von Christine und Georg Hodolitsch sich selbst an typische Tänze zu wagen.

Zwei Stunden später fanden sich die Gäste im Refektorium ein, wo nach einer kurzen Eröffnung der Veranstalter und des Eurasburger Bürgermeisters Sappl zum festlichen Teil übergeleitet wurde. Gulasch, garniert mit einem Schoppen Wein sowie Schmalz- und Süßgebäck bereitetem jedem Gaumen mindestens ein köstliches Erlebnis, denn viele beließen es nicht bei einer Portion. Im Anschluss wurde bei Live-Musik noch bis ca. 21:00 Uhr weiter getanzt.

Einem schweren Anfang mit vielen Mühen und Rückschlägen folgten nach und nach von allen Seiten mehr Offenheit und die Bereitschaft, jedem die Möglichkeit zu geben, aktiv und selbstbestimmt an der Gemeinschaft teilzunehmen. Das fasst nicht nur die gelungene Integration der Deutschen aus Ungarn in Geretsried zusammen, sondern ist Grundlage für jede erfolgreiche, gesunde und vielseitige Gesellschaft. Und gemeinsam etwas Leckeres essen ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, um dorthin zu kommen.

Der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit Geretsried e.V. und Integration aktiv bedanken sich herzlich bei den Kooperationspartnern, in persona Dr. Johanna Eder und Georg Hodolitsch, für die tolle Zusammenarbeit.

 

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